„Die Große Erfahrung ist weder östlich noch westlich, weder buddhistisch noch christlich. sie ist ein Allgemeingut des Menschen, zu welcher Zeit, Rasse oder Religion er auch immer gehöre. So spiegelt sie sich auch wider in der Religion, der Philosophie und der Dichtung aller Völker und Zeiten. Ja mehr noch, sie schimmert durch alle Äußerungen und Schöpfungen menschlichen Geistes hindurch, sofern dieser aus der tiefsten Tiefe hervorwächst, in die menschliches Erleben hineinreicht.“
So schreibt Dürckheim in seinem Buch „Im Zeichen der großen Erfahrung“ und genau diese Sichtweise soll auch der Hintergrund für die Überlegungen, Diskussionen und Fragestellungen dieses Blogs sein.
Große Erfahrung?
Was ist jedoch die gr0ße Erfahrung? Wie macht man sie? Wann macht man sie? Lässt sie sich objektiv beschreiben? Lässt sie sich trainieren? Alles Fragen, die sich hier natürlich sofort einstellen, jedoch erst einmal unbeantwortet bleiben müssen. Warum? Zuerst einmal, weil sie sich der verstandesmässigen Erfassung ihrer Natur nach entziehen. Hier braucht es einmal ein Anhalten der Verstandesaktivität, da sich Begriffe und Vorstellungen als ungeeignete Herangehensweisen für diese Art von Bewusstsein erwiesen haben. Begriffliches Denken kann eben nur wieder Variationen von Begriffen herstellen, jedoch nicht Wirklichkeit an sich erfassen, dies findet nur ausserhalb begrifflicher Aktivität statt. Ein Umstand der gemeinhin als Dualismus bezeichnet wird. Dualismus deswegen, weil sich hier die Welt in zwei Teile teilt: in das erkennende Subjekt und das beobachtete Objekt.
Da die Welt jedoch immer nur eins sein kann, also eine Einheit, spiegelt unser Verstand uns sozusagen eine Pseudowirklichkeit vor, sozusagen eine Welt des Verstandes, also des Subjekts und eine Welt ausserhalb von diesem, die dann das Objekt ist. Wobei wir dann natürlich auch wiederum dieses Phänomen unseres subjektiven Erkennens zum Objekt machen können und so weiter und so fort – ein nie endendes Spiel.
Ist das jetzt alles nur ein spitzfindiges intellektuelles Spiel oder steckt mehr dahinter? Also wenn es nicht so wichtig wäre, würde ich mir kaum die Mühe machen, mir hier den Kopf zu zerbechen, um etwas für Sie erhellendes auszuformulieren.
Selbstverständlich gibt es eine unfassbar grosse Zahl an Texten, die sich bereits mit diesem Thema auseinandergesetzt haben, jedoch erscheint es mir immer noch lohnenswert und richtig zu versuchen die Aussagen und Erkenntnisse dieser Bücher sich durch den Kopf gehen zu lassen und wiederum einer Öffentlichkeit zur Diskussion zu stellen.
Die Falle
Wir haben also gesehen, dass begriffliches Denken eine Art Falle darstellt, eine die so raffiniert ist, dass sie vielen Menschen entgeht. So auch mir über viele Jahre und das trotz eines Studiums der Philosophie, wo man doch annehmen könnte, dass man genau hier spätestens genau über die wesentlichen Zusammenhänge dieser Fragen aufgeklärt werden müsste. Tatsächlich habe ich bereits auch zu dieser Zeit Texte gelesen, die diese Problematik behandelten, doch brachte mir allein die Lektüre noch nicht die rechte Einsicht oder ein tieferes Verständnis.
Ein paar Autoren die mir damals begegneten waren Karl Jaspers mit „Chiffren der Transzendenz“, Martin Heidegger mit „Sein und Zeit“, die Werke Nietzsches, Levinas´, Martin Bubers oder Kant und viele andere.
Gegenspieler des Lebens
Mein Thema war der Tod als gern verdrängter Gegenspieler des Lebens und so schrieb ich darüber meine Diplomarbeit, doch immer noch wusste ich nicht so recht was ich mit all dem anfangen sollte. Ich begeisterte mich dann noch eine Zeit für ästhetische Theorie, beabsichtigte darüber zu dissertieren, liess es aber dann irgendwann letztlich bleiben und kehrte der akademischen Philosophie endgültig den Rücken.
All dies hinterliess eine gewisse Leere und Orientierungslosigkeit und ich versuchte recht erfolglos in der Arbeitswelt Fuss zu fassen, musste aber feststellen, dass auch dies nicht wirklich möglich war. So vergingen wiederum einige Jahre und es stellte sich weiterhin die Frage nach dem Sinn, so wie ich es bereits schon im Gymnasium zur Belustigung meiner Mitschüler getan hatte.
Oft staunte und beneidete ich meine Mitmenschen, die anscheinend die in mir arbeitenden Fragen und Konflikte nicht betrafen und war entsprechend verzweifelt. So stolperte ich also durchs Leben und litt ohne mir recht erklären zu können warum eigentlich. Als es dann schon absurd hoffnungslos wurde geschah plötzlich etwas wunderbares, etwas das mein gesamtes Leben verändern sollte. Ich erlebte plötzlich eine grosse Befreiung von aller Last und eine Freude in einer Tiefe, wie sie mir zuvor noch nicht begegnet war. Es war einfach wunderbar und ergreifend am Leben zu sein und aller Zweifel und alle Sinnlosigkeit schienen wie fortgewaschen.
Plötzlich war es mir klar, dass das was wir uns alle insgeheim Wünschen tatsächlich vorhanden ist und dass es von einer Qualität ist, die bereits in vielen Texten schon beschrieben wird. Da es aber die Natur von begrifflichen Beschreibungen dieser Wirklichkeit ist, dass sie diese eigentlich gar nicht beschreiben können, können sich Menschen, die diese Erfahrung bislang noch nicht gemacht haben, auch nicht wirklich etwas darunter vorstellen. Trotzdem ist es aber möglich über Zusammenhänge und Umstände und auch den Grund für diese Erfahrungen zu schreiben und damit zu versuchen nachvollziehbar zu machen, wie wir selbst daran beteiligt sind, dass wir diese Erfahrung nicht machen können. Genau das ist seit dem damaligen Geschehnis ein wichtiges Anliegen für mich, das grosse Thema das mich verfolgt, es mir selbst klar zu machen, was ich damals erlebte und auch ein Verständnis dafür zu bekommen, was dann eigentlich unsere wahre Bestimmmung sein könnte. Das grosse Glück, auf dessen Suche wir uns ständig befinden, den Schlüssel zu dessen Verwirklichung zu beschreiben.
Das Projekt
Möglicherweise klingen diese Sätze etwas kindlich und einfach, ich habe schon seit vielen Jahren keine längeren Texte mehr verfasst und bin deshalb etwas aus der Übung. Es ist aber auch mein Ziel eine einfache Art des Schreibens zu verwenden, um auch jene ansprechen zu können, die mit der textlichen Schwere von Büchern zum Thema ihre Schwierigkeiten haben und vielleicht meinen hoffentlich gut fassbaren Ausführungen besser folgen können. In diesem Sinne freue ich mich auf ein gutes Gelingen dieses Blogprojekts.
Ich wünsche Ihnen dabei viel Lesefreude und hoffe auch auf konstruktive Rückmeldung
Stephan Scharf